Retainer oder Projektabrechnung in der internationalen Rechtsberatung

Retainer oder projektbasierte Abrechnung in der Rechtsberatung: Welches Modell passt zu Ihrer internationalen Strategie? Wenn deutsche, schweizerische oder allgemein DACH-Unternehmen in die USA expandieren oder grenzüberschreitende M&A-Transaktionen umsetzen, wird die Struktur der Rechtsanwaltsgebühren zu einem strategischen Steuerungsinstrument. Dieser Beitrag erklärt, wie Retainer und Projektgebühren funktionieren, vergleicht beide Modelle und zeigt, wie Sie sie mit Ihren Zielen in Bezug auf Risiko, Geschwindigkeit und Wachstum in Einklang bringen.

Hinweis: Dieser Text richtet sich an Geschäftsleitungen, Inhaber und CFOs von DACH-Unternehmen mit internationalem Fokus, insbesondere „Hidden Champions“.

Was ist der eigentliche Unterschied zwischen Retainer- und projektbasierter Abrechnung?

In der Rechtsberatung zu komplexen Themen wie US-Markteintritt (einschließlich Defence) oder globalen M&A-Transaktionen prägt das Abrechnungsmodell die gesamte Zusammenarbeit: Reaktionsgeschwindigkeit, Tiefe der Analyse und die Bereitschaft, „unordentliche“ grenzüberschreitende Fragestellungen konsequent anzugehen.

Retainer-basierte Abrechnung bedeutet ein festes, regelmäßig wiederkehrendes Honorar (meist monatlich), mit dem Sie sich laufende Verfügbarkeit, strategische Begleitung und eine Art „Reservierung“ von anwaltlicher Kapazität sichern. So arbeitet LANA AP.MA International Legal Services beispielsweise typischerweise mit einem monatlichen Retainer von rund 15.000 € für die Beratung zum US-Markteintritt / Defence.

Projektbasierte Abrechnung bedeutet, dass Sie für einen klar definierten Leistungsumfang in einem bestimmten Zeitraum zahlen: etwa für das Entwerfen und Verhandeln eines einzelnen Share Purchase Agreement, die Durchführung einer konkreten Due Diligence oder die einmalige Gründung einer US-Gesellschaft.

Zentrale Strukturen im Vergleich: Retainer vs. Projektabrechnung

Typische Einsatzfelder
Retainer: Laufende US-Expansion, Markteintritt Defence, mehrjähriger M&A-Fahrplan.
Projekt: Einzeltransaktion, einmalige Gesellschaftsgründung, klar umrissene Due Diligence.

Kostentransparenz
Retainer: Hoch – ein vorhersehbares, monatliches Fixhonorar.
Projekt: Mittel – abhängig von Umfangsanpassungen und zusätzlichen Stunden.

Verfügbarkeit der Anwälte
Retainer: Reservierte Kapazität, bevorzugter Zugang, schnelle Reaktionszeiten.
Projekt: Abhängig von der Projektpipeline; weniger flexibel für Ad-hoc-Fragen.

Strategische Tiefe
Retainer: Kontinuierliches, proaktives Risikomanagement und Begleitung der Gesamtstrategie.
Projekt: Fokussiert auf die Lieferung eines klar definierten Einzelergebnisses.

Interne Planung
Retainer: Erleichterte Budgetplanung für Geschäftsführung, Board und CFO.
Projekt: Budget je Deal/Einheit; schwankende jährliche Rechtskosten.

Wie sollten DACH-„Hidden Champions“ über Retainer nachdenken?

Wenn Sie Geschäftsführer oder Inhaber eines DACH-„Hidden Champion“ mit etwa 500–1000+ Mitarbeitenden sind, lauten Ihre Haupttreiber typischerweise:

  • Minimierung von Haftungsrisiken und Schutz der Muttergesellschaft
  • Skalierung der Profitabilität durch Premiumpreise im US-Markt
  • Strikte Einhaltung von Compliance-Vorgaben

Für dieses Profil ist ein Retainer für den US-Markteintritt oder eine Serie globaler M&A-Schritte häufig mehr als nur ein Abrechnungsmodell; er fungiert als eine Art Architektur der Risikosteuerung:

  • Risikoringfencing: Ihre US-Gesellschaft wird so strukturiert, dass Haftungsrisiken klar von der DACH-Mutter getrennt sind; laufende Beratung stellt sicher, dass operative Änderungen diese Schutzmechanismen nicht schleichend untergraben.
  • Compliance als Prozess, nicht als Ereignis: Exportkontrollen, verteidigungsnahe Regulierungen und lokale US-Vorschriften verändern sich; ein Retainer ermöglicht permanente Überwachung und schnelle Anpassungen.
  • Strategische Preissetzung: Um mögliche US-Premiumpreise (häufig 300–400 % im Vergleich zum DACH-Niveau) tatsächlich zu realisieren, müssen rechtliche und wirtschaftliche Strukturen wertbasierte Preisstrategien und belastbare Distributorenverträge stützen.

Ohne Retainer löst jedes neue Thema (neuer Bundesstaat, neues Vertragsmuster, geänderte Eigentümerstruktur) potenziell ein neues Mandatsprojekt aus – inklusive interner Genehmigungsschleifen und Verzögerungen. Genau das bremst den US-Wachstumspfad.

Wann ist projektbasierte Abrechnung sinnvoller?

Die projektbasierte Abrechnung bleibt dann besonders wertvoll, wenn Ihr Bedarf klar begrenzt und einmalig ist. Typische Konstellationen:

  • Sie veräußern eine einzelne Geschäftseinheit und benötigen eine global ausgerichtete M&A-Umsetzung nur für diese Transaktion.
  • Sie brauchen eine spezifische Due Diligence für eine geplante Akquisition in Nordamerika oder Asien.
  • Sie wünschen eine stand-alone Gesellschaftsgründung mit Standarddokumentation, jedoch ohne laufende anwaltliche Begleitung im Anschluss.

In diesen Fällen passt die Projektabrechnung, weil:

  • Sie die Rechtskosten direkt einem konkreten Deal-P&L zuordnen können.
  • Umfang und Deliverables von Beginn an relativ klar definiert sind.
  • Interne Freigaben einfacher sind: „ein Projekt – ein Budget“.

LANA AP.MA unterstützt etwa Global M&A / Transactions auf Stunden- bzw. Projektbasis (typische Spannen: in Deutschland 400–450 €/h; in den USA 800–900 $/h). Dieses Modell ist besonders nützlich für Inhaber im Alter von etwa 50–70 Jahren, die eine einzelne große Veräußerung oder Akquisition strukturieren und transaktionsbezogene Budgets bevorzugen.

Strategische Vorteile und Trade-offs für die internationale Expansion

Speed-to-Market vs. Budgetflexibilität

Beim US-Markteintritt (einschließlich defence-naher Sektoren) müssen Geschwindigkeit und Risikosteuerung sorgfältig austariert werden. Ein Retainer unterstützt schnellere Entscheidungen, weil interne Teams nicht mehr aus Angst vor Stundenhonoraren zögern, „zum Hörer zu greifen“. Fragen zu Distributoren, Exportklauseln oder NDA-Strukturen werden früh geklärt – bevor sie sich zu teuren Fehlentscheidungen auswachsen.

Die Projektabrechnung bietet dagegen mehr Flexibilität, wenn noch unklar ist, ob ein bestimmter Schritt tatsächlich umgesetzt wird. Sie können zunächst ein begrenztes Machbarkeitsmandat vergeben und anschließend neu entscheiden.

Beziehungstiefe und Verständnis für Ihr Geschäftsmodell

Komplexe grenzüberschreitende Strategien profitieren von Beratern, die Ihre Technologie, Ihre Eigentümerkultur und Ihr Erlösmodell wirklich verstehen. Retainer fördern genau dies: Die Kanzlei investiert bewusst in ein tiefes Verständnis Ihrer Organisation, weil die Beziehung langfristig angelegt ist.

Die Projektabrechnung ist in der Regel transaktionaler geprägt: Im Fokus steht, den konkreten Deal korrekt und fristgerecht abzuschließen. Das kann völlig ausreichend sein, wenn Ihre internationale Exponierung begrenzt bleibt.

Entscheidungshilfe: Welches Abrechnungsmodell passt zu Ihrer Situation?

US-Markteintritt / defence-nahe Geschäfte
Retainer empfiehlt sich, wenn Sie mehrjährige Expansion planen, zahlreiche Verträge erwarten und eine US-Präsenz aufbauen, die strikt von der DACH-Muttergesellschaft abgeschirmt werden muss.
Projektabrechnung empfiehlt sich, wenn Sie zunächst nur eine erste Risiko- und Strukturprüfung benötigen und noch keinen klaren Langfristplan haben.

Globales M&A (Kauf oder Verkauf)
Retainer empfiehlt sich, wenn Sie mit einer Reihe von Akquisitionen/Desinvestitionen rechnen und ein wiederkehrendes, strategisches „Brückenkopf“-Advisory wünschen.
Projektabrechnung empfiehlt sich, wenn Sie eine einmalige Veräußerung oder einen einmaligen Erwerb umsetzen und die Gebühren klar dieser Einzeltransaktion zuordnen möchten.

Interne Governance & Board-Erwartungen
Retainer empfiehlt sich, wenn Sie einen stabilen, gut planbaren Rechtskostenrahmen und eine kontinuierliche Berichterstattung zu Risiken benötigen.
Projektabrechnung empfiehlt sich, wenn Ihr Board Deal-für-Deal-Freigaben bevorzugt und variable jährliche Rechtskosten akzeptiert.

Wie LANA AP.MA Retainer und Projekte in der Praxis strukturiert

LANA AP.MA International Legal Services ist eine Boutique-Kanzlei und wirtschaftsrechtliche Beratung mit Hauptsitz in Frankfurt am Main und Büros in Basel und Taipeh. Gegründet 2021 und geleitet von Dr. Stephan Ebner, verbindet die Sozietät Beratung zum US-Markteintritt (einschließlich Defence) mit der operativen Umsetzung globaler M&A-Transaktionen „aus einer Hand“. Ein entscheidendes Differenzierungsmerkmal ist die seltene Kombination aus westlicher Expertise und anwaltlicher Zulassung in Taiwan.

Für den US-Markteintritt / Defence arbeitet LANA AP.MA typischerweise mit einem monatlichen Retainer (z. B. ca. 15.000 €), da die Aufgaben unter anderem umfassen:

  • Strukturierung der US-Gesellschaft und Ringfencing der DACH-Mutter
  • Distributions- und Partnerverträge, die zu Premiumpreis-Strategien passen
  • Laufende Compliance-Prüfungen und Anpassung an regulatorische Änderungen

Für Global M&A / Transactions werden Mandate häufig projektbasiert mit transparenten Stundensätzen strukturiert, zugeschnitten auf die jeweilige Transaktion. So können Inhaber-Geschäftsführer Rechtskosten klar einer Transaktion zuordnen und die Erwartungen von Banken, Mitgesellschaftern und Familiengremien besser steuern.

Nächster Schritt: Welches Abrechnungsmodell stützt Ihr Risiko- und Wachstumsprofil?

Retainer und projektbasierte Abrechnung sind keine konkurrierenden Ideologien, sondern Werkzeuge. Für laufende US-Expansion oder eine Serie grenzüberschreitender Deals bietet ein Retainer häufig überlegene Risikokontrolle und höhere Umsetzungsgeschwindigkeit. Für klar begrenzte, einmalige Transaktionen kann die Projektabrechnung optimal sein.

Wenn Sie einen US-Markteintritt oder größere M&A-Schritte planen und klären möchten, welches Modell zu Ihrer Situation passt, können Sie einen kurzen Kennenlerntermin über lanaapma.com buchen.

Autor

Dr. Stephan Ebner

Dr. Stephan Ebner, Esq., LL. B, Mag. Jur, LL. M, LL. M, Attorney-at-Law (NYS, USA), EU-Attorney-at-Law (Switzerland, Advokatenliste Kanton Basel-Stadt), Foreign Legal Affairs Attorney (TAIWAN, R.O.C.), Attorney-at-Law (Germany), Notary Public (NYS, USA) ist Rechts- und Unternehmensberater und Gründer von LANA AP.MA International Legal Services AG, mit Sitz in Basel-Stadt, Schweiz. Ein Schwerpunkt seiner Praxis liegt auf der Beratung in internationalen Rechtsfragen, hier insbesondere den Markeintritt in den USA und Asien und bei Unternehmenskäufen- und verkäufen. Mandanten sind insbesondere Unternehmen und Konzerne aus dem DACH-Raum, den Vereinigten Staaten von Amerika und Asien.

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