A) In der Schweiz angekommen – Finding the right location?
Der folgende Beitrag soll eine Fortsetzung des ersten Teils sein und weitere wesentliche Umstände für den Markteinstieg in der Schweiz sein.
Die Schweiz ist nicht per se ein Niedrigsteuerland. Maßgeblich sind hier der jeweilige Kanton, der die Steuergewalt hält. Als teuer gilt z. B. Basel-Stadt (40,5 %), für günstig wird insbesondere der Kanton Zug (22,2 %)gehalten.
Zu beachten ist allerdings: Je „tiefer“ man sich in die Schweiz hineinbewegt, desto problematischer wird auch die Infrastruktur, Dienstreisen nach Deutschland oder Frankreich werden umständlicher. Auch sind die Lebenshaltungskosten (insbesondere Kosten für eine Wohnung) bspw. in Zug sehr hoch.
Gerade die grenznahen Städte eigenen sich für die länderübergreifende Zusammenarbeit, von Basel kann man mit der Tram (Straßenbahn schnell nach Deutschland fahren).
Besonders beliebt sind auch die Großräume Zürich und Genf, wobei Zürich insbesondere einen Namen im Bereich „banking“ hat, Genf für die dort in einer großen Zahl ansässigen, über 100 internationalen Organisationen wie die Vereinten Nationen (UNO) bekannt ist.
Im Ergebnis hängt es vom eigenen Unternehmen ab, welche Örtlichkeit überzeugen kann. Aus der Sicht internationaler Geschäftstätigkeiten werden es häufig Grenzstädte oder eben Genf sein.
B) Steuern und Sozialabgaben in der Schweiz
In der Schweiz angekommen wird nach Standortgründung der Schweizer Fiskus nicht lange auf sich warten lassen. Es wird eine umfassende Eingruppierung erfolgen, Unternehmens-ID übersendet und diverse online-Zugänge eröffnet. Dabei fällt auf, dass die Schweizer Finanzbehörden deutlich digitaler und moderner aufgestellt sind als bspw. deren deutsches Pendant.
Zudem sind auch selbstständig tätige Unternehmer verpflichtet, sich einer der Ausgleichskassen anzumelden, ob dort monatliche Sozialbeiträge abzuführen. Als Beispiel könnte hier die Ausgleichskasse Basel-Stadt genannt werden.
Auch in diesem Kontext lohnt es sich, den Rat von Fachleuten in Anspruch zu nehmen. Ist man bspw. Mitglied der Handelskammer beider Basel, besteht die Möglichkeit, über diese Organisation in eine Ausgleichskasse (ak40) einzutreten, was zu einer Kostenersparnis führen soll.
Wer seinen Hauptwohnsitz in der Schweiz hat, ist dort auch krankenversicherungspflichtig. Der Krankenversicherungsbeiträge sind hier oft höher als in Deutschland, fallen dafür aber einkommensunabhängig an.
a) Ausgleich: Höheres Lohnniveau und bessere Geschäftschancen
Dafür fallen die Löhne in der Schweiz regelmäßig höher aus. Auch für professionelle Beratung wird in der Regel mehr Geld ausgegeben. Insgesamt funktioniert in der Schweiz noch vieles, das in Deutschland leider nicht mehr funktioniert. Hier könnte man nur an die Deutsche Bahn denken – die Schweizer „SBB“ fährt nach wie vor pünktlich.
Insbesondere auch für Ärzte und Rechtsanwälte können die Arbeitsbedingungen in der Schweiz als deutlich angenehmer beschrieben werden. Hier besteht noch die Chance, leistungsgerecht Geld verdienen zu können.
b) Höhere Steuerberatungskosten einplanen
Wenngleich das Thema „Steuern“ deutlich lockerer in der Schweiz gehandhabt wird als in Deutschland, ist das selbstverständlich auch ein Thema in der Schweiz. Für das Einreichen von Steuerunterlagen und dergleichen hat man viel mehr Zeit, mithin „Luft“. Andererseits muss man bedenken, dass insbesondere eidg. dipl. Steuerexperten höhere Steuersätze verlangen. Die gewöhnliche Buchführung kann man in der Schweiz von einem sog. „Treuhänder“ durchführen lassen.
Und den deutschen Fiskus bekommt man oft auch nicht ganz „weg“. Werden weiter Betriebsstrukturen in Deutschland unterhalten, werden steuerliche Themen in Deutschland weiter virulent. Es sollen weiter nur Stichworte wie „Wegszugsbesteuerung“, „Entstrickungsbesteuerung“ oder „beschränkte Steuerpflicht genannt werden.
C) Lohnt sich dann die Gründung in der Schweiz überhaupt noch?
Wir glauben, diese Frage nur mit einer klaren Antwort begegnen zu können: Ja, definitiv!
Während der deutsche Staat und dessen Sozialsysteme auseinanderfallen, funktioniert die Schweiz nach wie vor. Behörden bearbeiten Anfragen in kurzer Bearbeitungsfrist, Gerichte tun ihre Arbeit wie sie es sollen, es scheint eine Ordnung zu herrschen, die man in Deutschland aktuell für verloren glaubt. Gerade aufgrund ihrer Rolle als „Alternative zur EU“ in mainland Europe, ist und bleibt die Schweiz hochinteressant für geschäftliche Vorhaben und Verlagerungen aus der EU.
Das scheinen auch die Eidgenossen zu verspüren, denn diese scheinen gar keine Lust auf die EU und deren Bürokratiemühlen zu haben, wenn man aktuellen Umfragen in der Schweiz Glauben schenken darf.
––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
von Dr. Stephan Ebner, Esq., LL. B, Mag. Jur, LL. M, LL. M
Attorney-at-Law (NYS, USA), Foreign Legal Affairs Attorney (TAIWAN, R.O.C.), Attorney-at-Law (Germany), Notary Public (NYS, USA)
LANA AP.MA International Legal Services, Basel, Schweiz


